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Warum man das Land, das singt, am besten langsam genießt
Ein guter Rat für jeden Touristen, der mit dem Gedanken spielt, Lettland einen Besuch abzustatten. All die großartigen Erfahrungen, die einen in diesem Land erwarten, sollte man am besten langsam genießen. Das ist die herrschende Meinung bei den meisten Menschen, die in Lettland leben. Und es scheint auch Konsens unter ausländischen Reisenden zu sein, was wiederum erklärt, warum die lettische Agentur für die Entwicklung des Tourismus vor kurzem ein neues Konzept für die Förderung des Tourismus enthüllt hat – unter dem Motto „Lettland. Genießt man am besten langsam”. Für diejenigen innerhalb der Tourismusbranche, die immer auf dem Laufenden sind, war Lettland in den letzten acht Jahren das „Land, das singt”. Und es ist es noch. Wir werden nur nicht mehr soviel darüber reden. Gesang spricht für sich selbst; und jetzt weiß jeder, der Lettland ein wenig kennt, dass viele Leute hier singen, und davon eine Menge sehr gut. Solange Lettlands Natur solche Stimmbänder hervorbringt, wird Lettland immer das Land sein, das singt. Man muss nur die Fans der New Yorker Metropolitan Oper fragen.
Aber in den letzten Jahren haben wir einige Dinge gelernt. Unter anderem, dass man die meisten der besten und echt lettischen Momente, die man in Lettland erleben kann, am besten langsam genießt. (Sogar das Singen.) Man kann durch London oder Manhattan hasten oder sogar einen Lauf durch Riga machen (bei uns gibt es jeden Jahr einen Marathon), aber wenn man einmal das Tal der Gauja betreten hat, oder einen Wald in Kurland, verlangsamt sich das Leben und passt sich der Geschwindigkeit der Natur an.
Wie bei jeder neuen Marketingkampagne stimmen ihr nicht alle zu, und einige fürchten, sie würde suggerieren, dass die Letten an sich langsam sind. Weit gefehlt, wie jeder weiß, der einmal auf Lettlands Straßen gefahren ist. Es ist seltsam, dass alle über die lettischen Strassen rasen, um schnell ihre Landhäuser zu erreichen, wo sie es endlich langsam angehen lassen können. Es ist kein Geheimnis, dass eines der Ziele der neuen Strategie die Verlängerung der Verweildauer ausländischer Touristen in Lettland ist. Das ist reine Ökonomie. Aber es ist auch ein Vorschlag, bei dem beide Seiten gewinnen können. Je länger ein Tourist in Lettland bleibt, desto besser wird es ihm gefallen. Und je besser es einem Touristen in Lettland gefällt und je länger er hier verweilt, desto besser gefällt es uns. Das ist nicht nur wirtschaftlich, es ist auch gute Öffentlichkeitsarbeit. Meine eigenen Nachforschungen haben ergeben, dass Nicht-Letten ein wenig länger brauchen, um das zu verstehen und zu schätzen, was Letten bereits über dieses Land wissen. Daher sagen wir den Leuten, es hier gemächlich angehen zu lassen. Ob es sich dabei um eine Nacht in der Sauna handelt, oder um einen Spaziergang entlang der endlosen livländischen Küste, die wahre Magie einer solchen Erfahrung offenbart sich erst, wenn man aufgehört hat, sich über den nächsten Termin Gedanken zu machen.
In Lettland besteht eine hohe Mobilfunkabdeckung und auch Internetzugang ist weit verbreitet, aber es gibt Orte, wo man einfach nur alles abschalten und den Spechten lauschen möchte. Eine unserer großen Sommerattraktionen sind die Störche - wir haben die größte Population in Europa. Und einer ihrer nobelsten und bewundernswertesten Eigenschaften ist, dass es sie niemals eilig haben. Wenn jemand das Leben anmutig und gemächlich zu leben weiß, dann der lettische Storch. Aber wenn Sie die Würde eines Storches wirklich genießen wollen, müssen Sie ihr Auto anhalten, aussteigen und eine Weile bleiben. Die Störche werden nichts dagegen haben.
Sie werden aber nicht viele Störche in Riga sehen, denn sie ziehen frisch gemähte Wiesen den Vier-Sterne-Restaurants vor. Und auch ihre frisch geschlüpften Jungen sind viel zu jung für Rigas Szene. Die energiegeladene Kampagne „LIVE RIGA!“ ist nichts für sie, und so muss es auch sein. Lettland hat eine der größten Hauptstädte Europas, aber für viele üben die sie umgebenden Wälder, Felder und Gewässer eine viel höhere Anziehungskraft aus. Aber man muss hinausgehen und für eine Weile herumspazieren, um festzustellen, dass alles, was einem widerfährt, am besten langsam genossen werden muss.
Man muss einfach stehenbleiben und sich den bizarren Verputz der Rigaer Jugendstilarchitekten ansehen, und die Experten werden sagen, je länger man schaut, desto mehr wird man sehen. Füchse, Hirsche und Elche werden erst auftauchen, wenn man eine Weile inmitten eines lettgallischen Waldes gesessen hat. Der feinste Tee Nordeuropas beginnt erst seine lettische Raffinesse zu entfalten, wenn man gemächlich an ihm nippt, während man gleichzeitig zusieht, wie die Sonne in der Bucht von Riga untergeht.
Also, wenn Sie ein Flugzeug nach Riga nehmen, seien Sie bereit, sich etwas Zeit für Lettland zu nehmen. Früher oder später werden Sie verstehen, warum die Menschen sich in den letzten Jahrtausenden gerade diesen Platz zum Leben ausgesucht haben.
Ojars Kalnins Direktor, Lettisches Institut
Quelle: http://www.greetimgsfromlatvia.lv
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